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Rebound-Effekte

Ist es nicht verwunderlich? Elektrische Geräte, Lampen, Motoren, Heizungen … alles wird effizienter. Und dennoch steigt der Energieverbrauch.

Aus der Perspektive des Klimaschutzes führen Effizienzsteigerungen nicht unbedingt zu einer Verringerung von Emissionen. Wir haben effiziente Geräte angeschafft und effiziente Gewohnheiten etabliert und dennoch zeig sich in der Praxis oft, dass die tatsächlich erzielten Einsparungen geringer als die zuvor berechneten und technisch möglichen Einsparungen sind. Grund dafür sind so genannte Rebound-Effekte.

Rebound-Effekte bezeichnen den gesteigerten Konsum von Ressourcen-Inputs, die

  1.  Effizienzsteigerungen ‚folgen‘ und
  2.  von diesen irgendwie verursacht oder zumindest ermöglicht werden (vgl. Madlener/Alcott 2011: 7).

 

Verbrauch vor und nach einer Effizienzsteigerung (Grafik: BImA)


Durch Rebound-Effekte werden Effizienzsteigerungen teilweise kompensiert. 

Vor einer Effizienzsteigerung liegt der Verbrauch auf einem gewissen Niveau. Nach einer Effizienzsteigerung, z.B. durch einen technologischen Fortschritt, müsste der Energieverbrauch um ein berechenbares Potenzial sinken. Aber durch Verhaltensanpassungen, z.B. eine vermehrte Nutzung, werden die theoretischen Verbrauchseinsparungen nicht erreicht. Es kann auch passieren, dass nach einer Effizienzsteigerung sogar mehr verbraucht wird, als vorher. Dieses Phänomen wird als "Backfire" beschrieben.

Bereits 1865 wurde der paradoxe Mechanismus von William Stanley Jevons („The Coal Question“) beschrieben. Er stellte fest, dass Effizienzsteigerungen (oder generell Produktivitätssteigerungen) bei der Nutzung von Kohle zu einem Mehrverbrauch von Kohle führten. Die neure Wissenschaft befasst sich seit ca. 1980 mit den Rebound-Effekten, aber im Denken der Menschen sind sie noch nicht angemessen vertreten. So gibt es auch nur begrenzt wissenschaftliche Untersuchungen darüber, vor allem kaum eine über gesamtwirtschaftliche Rebound-Effekte. Und wenn, dann wurden nur die Auswirkungen von finanziellen Rebound-Effekten untersucht, da die Auswirkungen der anderen Arten (Link: Interessante Beispiele, weitere Ursachen und Ausprägungen) schwer zu untersuchen sind (vgl. Santarius 2012: 7, 18f). Werden die Effizienzsteigerungen sogar überkompensiert, d.h. es wird nachher mehr Energie verbraucht als vorher, spricht man von „Backfire“ (vgl. Saunders 2000).